Der Beitrag des Bundes zum öV-Quantensprung im Raum Genf

Mehr als 40 Bahnhöfe in der Schweiz und in Frankreich, 230 Kilometer Gleis beidseits der Grenze, sechs Linien: Der «Léman Express», Europas grösste grenzüberschreitende S-Bahn, wird Mitte Dezember in Betrieb gehen. Der Bund investierte mehr als 900 Millionen Franken in den Ausbau zwischen den beiden Genfer Bahnhöfen Cornavin und Eaux-Vives sowie Annemasse (Projekt CEVA). Nun geht es darum, die Effizienz und den Erfolg des neuen S-BahnAngebots sicherzustellen, das vom Bundesamt für Verkehr (BAV), den Kantonen Genf und Waadt sowie der Region Auvergne-Rhône-Alpes bestellt und finanziert wird.

Lokomotive mit dem Schriftzug des «Léman Express»
Der grenzüberschreitende «Léman Express» verbindet mehr als eine Million Menschen im Ballungsraum «Grand Genève».
© SBB CFF FFS

Die Markteinführung des «Léman Express» ist die wichtigste Änderung im neuen Fahrplan des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz, der am 15. Dezember 2019 in Kraft tritt. Das in seiner Grösse und mit seiner grenzüberschreitenden Ausrichtung beispiellose Regionalbahnsystem wird drei Tage zuvor im Beisein von Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga und ihrer französischen Amtskollegin Elisabeth Borne eröffnet. Der «Léman Express» soll eine Million Menschen miteinander verbinden, die im Ballungsraum «Grand Genève» leben und arbeiten ‒ dem Gebiet am unteren Genferseebecken, von der Waadtländer Gemeinde Coppet bis zu den französischen Städten Evian, Annecy und Saint-Gervais.

Der Aufbau des «Léman Express»-Liniennetzes wurde dank der Fertigstellung der CEVA möglich, also dem Bau des bisher fehlenden Streckenstücks zwischen Cornavin und Eaux-Vives und der Sanierung des bestehenden Abschnitts bis zur Grenze und weiter nach Annemasse. Diese Massnahmen sind Teil der seit zehn Jahren laufenden Offensive für ein besseres öV-Angebot in der Westschweiz. Das Parlament bewilligte die Bundesmittel für das Infrastrukturprojekt CEVA im Rahmen des ersten Programms zur Verbesserung des Agglomerationsverkehrs, gleichzeitig mit der Mittelfreigabe für die Zürcher Durchmesserlinie (DML) und für die italienisch-schweizerische Bahnlinie Mendrisio‒Varese (FMV).

Die Kosten für den 14 Kilometer langen Abschnitt der CEVA auf Schweizer Boden betragen rund 1,6 Milliarden Franken (ohne Mehrwertsteuer), wovon 56 Prozent vom Bund und 44 Prozent vom Kanton Genf getragen werden. Das BAV, das als Steuerungs- und Aufsichtsbehörde die Verwendung der Bundessubventionen überwacht, hat die Arbeiten von Anfang an begleitet und betreut. Der CEVA-Lenkungsausschuss, eine Art Verwaltungsrat, bestehend aus dem BAV, dem Kanton Genf und der SBB, hat sich mehr als 50 Mal getroffen.

Fokus auf dem Angebot

Nachdem die CEVA-Infrastruktur vollendet ist, muss nun das Angebot auf dem neuen «Léman Express»-Liniennetz betrieben und finanziert werden. Das BAV ist für die Bestellung und Subventionierung des Regionalverkehrs zuständig und beteiligt sich daher aktiv an der Entwicklung des Angebots des «Léman Express» -  gemeinsam mit den Kantonen Genf und Waadt sowie der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Dem BAV ist daran gelegen, Lösungen zu finden, die möglichst grenzüberschreitend funktionieren. In diesem Zusammenhang arbeitet es an der mittelfristigen Schaffung einer einzigen binationalen Stelle mit, die für die Finanzierung und Entwicklung des Angebots zuständig ist. Die Infrastrukturbetreiberinnen SBB und SNCF versuchen, das Gleiche für den Betrieb der Schienennetze zu tun.

Der «Léman Express» ist in vielerlei Hinsicht beispielhaft für die grenzübergreifende Zusammenarbeit und Koordination. Dies gilt auch für die Einführung des «Léman Pass», eines zwischen den beiden Ländern harmonisierten Ticket- und Abonnementsystems, an dem zehn französische und Schweizer Verkehrsbetriebe beteiligt sind. Dies ist eine in Europa bislang einzigartige Grössenordnung.

 

BAV-News Nr. 74 November 2019

 

Netzplan Léman Express

Léman Express

CEVA

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