Ein ETCS-Schild in einem Bahnhof

Die Schweiz hat mit ETCS ein europäisch standardisiertes Zugsteuerungs-, Zugsicherungs- und Signalgebungssystem  eingeführt. Es soll in Europa die Vielzahl der bisher eingesetzten, meist nationalen Systeme ablösen und so einen dichten, schnellen, grenzüberschreitenden und sicheren Eisenbahnverkehr ermöglichen.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat auf den 1. Mai 2012 die Richtlinie "Zugbeeinflussung im schweizerischen Normalspur-Eisen­bahnnetz" in Kraft gesetzt. Sie bestimmt, dass die mehrere Jahrzehnte alten Zugbeein­flussungen vom Typ Integra SIGNUM und ZUB 121 zum European Train Control System (ETCS) Level 1 Limited Supervision (L1 LS) migriert werden mussten. Im schweizerischen Normalspur-Eisenbahnnetz waren davon rund 14'500 Signalpunkte betroffen. Per Ende 2017 wurde dieses Ziel weitgehend plangemäss erreicht. Somit fallen die Kosten für die Mehrfachausrüstung der Fahrzeuge mit Zugssicherungssystemen weg, was pro Lokomotive mehrere hunderttausend Franken einspart.

Mit der Migration zu ETCS wird auch die Sicherheit erhöht. Bei rund der Hälfte der Zugbeeinflussungspunkte werden Informationen zur Geschwindigkeitsüberwachung übertragen.

Im August 2011 hatte das BAV zudem entschieden, dass in einem weiteren Schritt ab 2025 das gesamte Schweizer Normalspurnetz sukzessive auf die ETCS Level 2-Technologie umgerüstet werden soll. Diese Technik, die ohne Aussensignale auskommt und dem Lokführer die Anweisungen direkt in den Führerstand übermittelt, ist bereits auf der Strecke Mattstetten–Rothrist (Linie Bern-Olten), den Basislinien durch Lötschberg, Gotthard und künftig Ceneri sowie auf den Zufahrten zum Gotthard-Basistunnel sowie zwischen Lausanne und Villeneuve im Einsatz.

Ab 2025 kommen viele Stellwerksanlagen an das Ende ihrer Lebensdauer und müssen ersetzt werden. Das BAV wird aufgrund der bisherigen Erfahrungen und aufgrund von Kosten/Nutzen-Abwägungen entscheiden, ob und in welcher Art bei deren Ersatz die Implementierung von ETCS Level 2 zum Einsatz kommen soll.

Die Schweiz hat mit der flächendeckenden Migration auf ETCS ein modernes, interoperables und zukunftsfähiges Zugsteuerungs-, Zugsicherungs- und Signalgebungssystem eingeführt. Auslöser für die Wahl von ETCS war die Inbetriebnahme von neuen Strecken mit höheren Geschwindigkeiten, namentlich die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist ab 2004. Für die Geschwindigkeiten bis 200 Kilometer pro Stunde waren die bisherigen Systeme mit Aussensignalisierung nicht tauglich. Die Schweiz wählte daher nicht eines der bestehenden länderspezifischen Systeme, wie sie in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien für Hochgeschwindigkeitsstrecken in Betrieb sind. Deren technische Lebensdauer war absehbar, während ETCS ein europäisch standardisiertes System ist, das kontinuierlich weiter entwickelt wird.

ETCS ist von der Europäischen Union für die internationalen Verkehrskorridore mittelfristig vorgeschrieben. Die Schweiz, die im Zentrum des Nord-Süd-Korridors Rhein–Alpen liegt, hat damit Pionierarbeit geleistet.

https://www.bav.admin.ch/content/bav/de/home/themen-a-z/zugbeeinflussung/etcs.html