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Veröffentlicht am 3. Juni 2025

ESöV-Newsletter

Editorial Dezember 2025

Es gibt News! Ab 2026 werden die aktuellen Informationen zum Programm in unseren neuen Newsletter «Einblick in Forschung und Innovation im öffentlichen Verkehr» integriert, der somit auch die Programme Bahninfrastrukturforschung, Innovation im öffentlichen Personenverkehr, Schienengüterverkehr und Eisenbahnlärm umfasst.

In der Zwischenzeit finden Sie in dieser Ausgabe einen Bericht über drei Projekte, die sich mit der Beleuchtung von Bahnsteigen, der Vorbereitung von Zügen und der Reduzierung der Sonneneinstrahlung in Zürcher Trams befassen. Ausserdem stellen wir Ihnen kurz drei Projekte vor, die gerade angelaufen sind.

Wir danken Ihnen für Ihre Treue während all der Jahre, in denen Sie den SETP-Newsletter erhalten haben, und freuen uns darauf, Sie im März mit einer Ausgabe wiederzusehen, die noch mehr Forschung und Innovation im öffentlichen Verkehr zu bieten hat!

Licht an Perrons: nur bei Bedarf!

Viele Bahnhöfe bleiben selbst zu Randzeiten hell erleuchtet – obwohl deutlich weniger Züge verkehren und sich kaum noch Personen auf den Perrons aufhalten. Was wäre, wenn sich die Beleuchtung nur dann einschalten würde, wenn tatsächlich jemand vor Ort ist? Ganz nach dem Prinzip: «So viel Licht wie nötig – so wenig wie möglich!»

Nach diesem Prinzip hat Marc Hächler von der BLS Netz AG in zwei Pilotprojekten untersucht, wie sich eine präsenzgesteuerte Perronbeleuchtung auf den Energieverbrauch auswirkt. Die Tests wurden an den Bahnhöfen Müntschemier und Ringoldingen durchgeführt.

Müntschemier mit zwei 220 langen Perronkanten wird täglich von über 270 Fahrgästen genutzt. Ringoldingen hingegen ist eine kleine Haltestelle mit einer 150 Meter langen Perronkante und zählt rund 30 Pendlerinnen und Pendler pro Tag. Trotz bestehender, bereits energieeffizienter LED-Beleuchtung konnte an beiden Standorten der Energieverbrauch durch intelligente Steuerung und Bewegungsmelder markant gesenkt werden. In Müntschemier sank der Stromverbrauch auf Perron 1 um rund 60 %, auf Perron 2 sogar um 80 % – insgesamt eine Einsparung von etwa 974 kWh pro Jahr. In Ringoldingen reduzierten sich die Einschaltzeiten der Lichtgruppen um bis zu 75 %, was rund 276 kWh weniger Energie entspricht. Zum Einsatz kamen PIR-Sensoren (Passiv-Infrarot-Bewegungsmelder), die auf Wärme und Bewegung reagieren.

Laut Marc Hächler trägt eine bedarfsgerechte Beleuchtung wesentlich zu einer smarten und ressourcenschonenden Infrastruktur im öffentlichen Verkehr bei. Bewegungsmelder unterstützen dabei, Energie zu sparen und Lichtemissionen zu reduzieren. Die Umsetzung erfordert jedoch zusätzliche Investitionen und die Amortisationsdauer variiert je nach eingesetztem Steuerungstechnik-System zwischen 37 und 60 Jahren. Für die BLS erfolgt der Einsatz daher nicht flächendeckend, sondern gezielt an lichtempfindlichen Standorten, um Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung in Einklang zu bringen.

P-085: Präsenzgesteuerte Perron Beleuchtung

Saisonale Vorbereitung der Züge

Wie lässt sich die Vorbereitungszeit von Zügen effizienter gestalten? Dieser Frage ging das SBB-Forschungsprojekt «meteobasierte Vorbereitungsdauer von Zügen» nach – mit dem Ziel, die Energieeffizienz zu steigern und gleichzeitig den Fahrgastkomfort zu wahren.

Verschiedene abgestellte Züge, die für den Betrieb vorbereitet werden müssen.

Ursprünglich sollte dies fahrzeugspezifisch und gestützt auf lokale Wetterdaten – mithilfe thermischer Modelle und Wettervorhersagen – erfolgen, doch die Umsetzung erwies sich als zu komplex und wirtschaftlich nicht tragfähig. «Die Validierung über lange Abstellzeiten war schwierig, und die Anbindung an externe Wetterdienste erwies sich im Hinblick auf eine Ausweitung auf alle Fahrzeuge als zu aufwendig», erklärt Johannes Estermann von der SBB. Stattdessen wurde ein pragmatischerer Ansatz gewählt: Die Einführung einer saisonalen Vorbereitungsdauer. Basierend auf das gemessene Aufheiz- und Abkühlverhalten je Flotte und Monat wurde die optimale Dauer festgelegt.

Diese saisonale und flottenspezifische Bereitstellung bedingt, dass der Zug automatisch Informationen aus den zentralen Planungssystemen erhält, wann seine nächste Fahrt beginnt. So kann er seine Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage rechtzeitig einschalten – zwischen 30 und 90 Minuten vor Inbetriebnahme, je nach Fahrzeugtyp und Jahreszeit. Seit Sommer 2024 ist diese saisonal gesteuerte Lösung für den Gelenktriebwagen (GTW) und Hauptverkehrszeit-Doppelstockzug (HVZ) der S-Bahn Zürich im Einsatz, die Flotte der doppelstöckigen Pendelzüge (DPZ) folgte im März 2025 im Rahmen eines Probebetriebs. Das Resultat: Über 1’400 Megawattstunden Energie pro Jahr können gespart werden. Was als komplexes, wettergestütztes Modell begann, wurde zu einer pragmatischen Lösung mit grosser Wirkung: Die SBB hat die Vorbereitungsdauer ihrer Züge saisonal und flottenspezifisch optimiert und damit den Energieverbrauch gesenkt.

P-162: Meteobasierte Vorbereitungsdauer von Zügen

Sonnenschutz im Tram: VBZ testen Folien zur Energieeinsparung

Kann man mit Sonnenschutzfolien tatsächlich Energie sparen? Die VBZ sind dieser Frage im Rahmen eines Forschungsprojektes nachgegangen – direkt im Einsatz an Cobra-Trams. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie Klimakomfort und Energieeffizienz im öffentlichen Verkehr zusammenspielen können.

Aufkleber in einem Zürcher Tram, der den Zweck der Folien an den Fenstern erklärt

Mit Sonnenschutzfolien tatsächlich Energie sparen, und wie viel? Diese Frage beantwortet das VBZ-Projekt zum Einsatz von Sonnenschutzfolien in Cobra-Trams. «Ziel der Studie P-290 war es, den Effekt von Sonnenschutzfolien an einem ausgerüsteten Fahrzeug zu messen und Impulse für weitere Entscheidungen und Untersuchungen zu liefern», so Fabio Inderbitzin und Geoffrey Klein von den Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ).

Gerade in den heissen Sommermonaten gelangt viel Wärme in den Innenraum des Fahrzeugs. «Das kurbelt die Klimatisierung an, die wiederum viel elektrische Energie verbraucht, um eine definierte Zieltemperatur zu erreichen», erklärt Fabio Inderbitzin. Die Sonnenschutzfolien senkten den Kühlbedarf messbar. Die gemessene durchschnittliche elektrische Kühlleistung des Fahrzeugs mit Sonnenschutzfolien lag um rund 1.1 kW unter jener der Referenzflotte. Die Studie hat auch gezeigt, dass im Winter die Sonnenschutzfolie leicht weniger Sonnenwärme zulässt – eine Erkenntnis, die bereits vermutet wurde und nun durch Daten untermauert ist. Doch der Unterschied bei der Heizleistung im Winter war deutlich kleiner, die mittlere Differenz der elektrischen Heizleistung betrug lediglich 0.2 kW. Somit überwiegen die Vorteile. Die Effekte mögen klein erscheinen, haben jedoch eine messbare Wirkung: Auf Jahresbasis resultiert daraus eine gemessene Einsparung von ca. 3.6 MWh pro Tram (ca. -25 % der elektrischen Klimatisierungsleistung gegenüber der Referenzflotte), was bei 300 CHF/MWh rund 1'080 CHF entspricht.

Die Studienautoren hoffen, die Ergebnisse als Grundlage für eine Untersuchung auf einer grösseren Flotte benutzen zu können und ermuntern andere Verkehrsbetriebe dazu, den Einsatz solcher Folien ebenfalls zu prüfen. «Auch bei älteren Fahrzeugen ohne Klimaanlage kann sich ein Mehrwert für die Kunden bieten, indem das Fahrzeug passiv kühler bleibt», so Fabio Inderbitzin.

P-290: Energieeinsparung von Sonnenschutzfolien in Cobra-Trams

Energie ohne Umwege

Nutzung einer bestehenden DC-Bahninfrastruktur für die Übertragung erneuerbarer Energien

Die Transports publics du Chablais (TPC) untersuchen auf der Strecke Bex–Villars–Bretaye, wie der Strom von Photovoltaikmodulen direkt ins Gleichstrom-Traktionsnetz eingespeist werden kann – ohne Umweg über das 50-Hz-Wechselstromnetz. So lässt sich die Energie verlustarm dort nutzen, wo sie gebraucht wird.

Gerade in Bergregionen, wo das 50-Hz-Netz schwach ausgebaut ist, bietet die Bahninfrastruktur mit ihren Kupferleitungen eine wertvolle Alternative für den Energietransport. Die lokal erzeugte Solarenergie – dank hoher Sonneneinstrahlung besonders ertragreich – kann nicht nur Züge versorgen, sondern auch andere Verbraucher entlang der Strecke, etwa Elektroautos oder -busse an Bahnhöfen.

Ziel der Studie ist es, die Systemelemente optimal aufeinander abzustimmen. Das könnte den Energieverbrauch um bis zu 30 % senken und den Eigenverbrauch deutlich steigern – ein Schritt hin zu energieautarker Mobilität für die TPC und andere Bahnunternehmen.

P-293: Exploitation du potentiel PV avec convertisseur sur une ligne ferroviaire DC

Pilotfahrzeug mit prädiktiver Klimaregelung

Intelligente Klimaregelung in Zügen

Während heutige Klimaanlagen in genereller Weise für angenehme Temperaturen in den Zügen sorgen, geht die nächste Generation einen Schritt weiter: Dank intelligenter Regelung soll ein lernfähiger Algorithmus künftig nicht nur Innen- und Aussentemperaturen, sondern auch Wetterprognosen entlang der Strecke, die erwarteten Passagierzahlen und die Einsatzplanung vorausschauend einbeziehen und so massgeschneidert für angenehme Temperaturen sorgen. Ziel des Projekts ist es, die Integration eines solchen Algorithmus zu beschleunigen. Der von der ETH Zürich entwickelte Model Predictive Control-Algorithmus bietet dafür grosses Potenzial. Erste Tests wurden bereits an einem stehenden Regio-Dosto der SBB ohne Passagiere durchgeführt. Der nächste Schritt ist die Übertragung der bisherigen Erkenntnisse auf ein Pilotfahrzeug, um den Algorithmus unter echten Bedingungen zu testen und weiterzuentwickeln.

P-296: Pilotfahrzeug mit prädikativer Klimaregelung

Juice Master: Energiemanagement für Elektrobusse zur besseren Integration in Stromnetze

Nachhaltige Mobilität durch smartes Lademanagement und datengetriebene Optimierung

Wie kann das Laden von Elektrobussen im Depot optimal geplant und gesteuert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt, das die Optimierung des Ladevorgangs von Elektrobussen im PostAuto-Depot in Sion (VS) zum Ziel hat. Das intelligente Ladesystem soll den Eigenverbrauch von lokal erzeugtem Photovoltaikstrom optimieren und gleichzeitig Netzspitzen wirksam abfedern. Dabei werden verschiedene Geschäftsmodelle – von der lokalen Stromgemeinschaft über die Eigenverbrauchsgemeinschaft bis hin zur virtuellen Eigenverbrauchsgemeinschaft (vZEV) untersucht. Ziel ist es, die Ladeprozesse im Depot möglichst effizient, nachhaltig und netzverträglich zu gestalten.

P-297: Justice Master

Rückblick aufs Forum Nachhaltige Energie

Am 25. November trafen sich rund 100 Fachexpertinnen und -experten von Transportunternehmen, Hochschulen, der Bahn- und Bus-Industrie sowie Behörden zum 12. Forum Nachhaltige Energie des VöV. In Workshops und Referaten tauschten sich die Teilnehmenden zu energieeffizienzsteigernden Technologien, umweltfreundlichen Antrieben und nachhaltiger Energieproduktion aus, erhielten Einblicke in laufende Projekte und Best Practices und diskutierten mögliche Lösungsansätze. Der Anlass wurde vom ESöV-Programm mitfinanziert.

Im Rahmen des diesjährigen Forums wurden u.a. folgende Fragen erörtert: Welches Energieeinsparpotenzial bringen variable Zugslängen im Tagesverlauf? Wie sehen energieeffiziente Temperatursollwerte in Zügen aus und welche Bedeutung hat die energieoptimierte Abstellung von Rollmaterial? Wie sieht die Schifffahrt der Zukunft auf dem Zürichsee aus? Welche Herausforderungen bestehen beim Photovoltaikausbau im öV? Wie haben sich die Energiekennzahlen im öV seit 2020 entwickelt? Welche Auswirkungen haben Technologieumstellungen mit alternativen Energie- und Antriebssystemen auf die Beschaffung und den Betrieb fossilfreier Fahrzeuge? Wie lässt sich ein nachfrageorientiertes Angebot auf der Schiene so planen, dass der Energieverbrauch sinkt, ohne dass es zu Einbussen bei der Qualität, Pünktlichkeit und Robustheit kommt? Kann ein Online-Tool zur Vorab-Machbarkeitsanalyse die Unternehmen bei der Elektrifizierung von Buslinien unterstützen? Und was bringt das aktive Fahrassistenzsystem (AFAS)?

Forum Nachhaltige Energie, VöV

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