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Veröffentlicht am 11. Juni 2026

BAV-News Forschung und Innovation

Editorial Juni 2026

Einblick in Forschung und Innovation im öffentlichen Verkehr

Herzlich willkommen zur aktuellen Ausgabe unseres Newsletters im Bereich Forschung und Innovation im öffentlichen Verkehr.

In dieser Ausgabe erhalten Sie Einblicke in laufende Projekte, vom Einsatz digitaler Assistenzsysteme über die erstmalige Fernsteuerung eines Linienbusses bis hin zu neuesten Untersuchungen in der Schadstoffbelastung durch Gleisabwasser.

Darüber hinaus erhalten Sie Informationen zu den Energiekennzahlen und der neuen Richtlinie zur Forschung, die aus dem Bahninfrastrukturfonds (BIF) finanziert wird.

Freundliche Grüsse
Bundesamt für Verkehr

KI-basierter digitaler Mobilitätsassistent

Wie können Pendlerinnen und Pendler, Familien sowie Freizeitreisende bei nachhaltigeren Mobilitätsentscheidungen unterstützt werden? Die MBC und TRAVYS testen eine neue Generation von Chatbots.

Leuchtende 3D-Buchstaben „AI“ in Blau, platziert auf einer Oberfläche, die an eine elektronische Schaltung erinnert

Das Projekt verfolgt das Ziel, einen intelligenten digitalen Berater zu entwickeln, der in natürlicher Sprache optimierte ÖV‑Routen auf Basis der individuellen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer empfiehlt. Es genügt künftig, Fragen wie «Wie komme ich am Samstagmorgen von Morges nach Yverdon mit meinem Kinderwagen?» zu stellen, und der Assistent liefert eine passende Antwort.

Die Vorschläge für optimierte Routen basieren auf der Analyse von Daten des Mobilitätsverhaltens im Einzugsbereich von MBC und TRAVYS.

Das rund um die Uhr verfügbare Web‑Tool vereinfacht den Zugang zum ÖV‑Angebot und richtet sich insbesondere an Zielgruppen mit hohem Verlagerungspotenzial: Freizeitreisende, Familien und Berufstätige ohne Abonnement. Eine Besonderheit des Projekts liegt in seinem Potenzial, auch von anderen Transportunternehmen übernommen und weiterverwendet zu werden. Der Start ist im Verlauf des Jahres 2026 geplant.

Nathalie Bianchini, Leiterin Marketing öV, MBC /  Sébastien Racine, Projektleiter Kundenbeziehungen und Kommunikation, TRAVYS

Weitere Informationen

Assistant Mobilité numérique - Aramis

Teleoperation eines selbstfahrenden Linienbusses

Seit 2025 fährt in der Arboner Altstadt ein selbstfahrender Linienbus fahrplanmässig im Mischverkehr, bisher mit Sicherheitsfahrerin oder Sicherheitsfahrer an Bord. Mit der im März 2025 in Kraft getretenen Verordnung über das automatisierte Fahren wurde das Projekt erweitert: Neben der Automatisierung kommt nun weltweit erstmals die Fernsteuerung eines Linienbusses aus einem Control Center hinzu.

Fernsteuerungsstation für einen autonomen Bus, die das Fahrerhaus des Busses mit Lenkrad, Brems- und Gaspedal sowie Bildschirmen für die von den im Bus installierten Kameras übertragenen Videobilder nachbildet.

Der Betrieb im Pilotprojekt SCCL ist ressourcenintensiv, da sowohl im Fahrzeug als auch für die Teleoperation im Control Center eine Sicherheitsfahrerin oder ein Sicherheitsfahrer Kat. D benötigt werden. Ziel des Projekts ist es, den Betrieb in der letzten Phase des Projektes ohne Sicherheitsperson im Fahrzeug zu ermöglichen. Voraussetzung dazu ist, dass der Linienbus über eine leistungsfähige, abgesicherte Internetverbindung in Dauerkontakt mit dem Control Center bleibt. Wenn das Automatisierungssystem in den engen Strassen der Altstadt Unterstützung benötigt, zum Beispiel bei Baustellen oder Trottoirüberfahrten, kann der Bus per Teleoperation manövriert werden. Die Software für Teleoperation - auch remote control genannt - wird eigens von einem internationalen Anbieter entwickelt.

Die ferngelenkten Manöver werden schrittweise erprobt, zunächst auf dem Testgelände, später im laufenden Verkehr. Dabei muss sichergestellt sein, dass der Betrieb den Verkehrsfluss nicht beeinträchtigt. Unterstützt wird das Projekt von drei Verkehrsbetrieben aus verschiedenen Regionen der Schweiz, die an den gewonnenen Erfahrungen sehr interessiert sind.

Hansueli Bruderer, Projektleiter SCCL – Self Controlled City Liner, Technische Gesellschaft Arbon

Weitere Informationen

Self-Controlled City Liner (SCCL) - Technische Gesellschaft Arbon (TGA)

Schadstoffbelastungen im Gleisabwasser & Grundwasser

Das Projekt untersucht erstmals systematisch die Belastung von Gleis- und Tunnelabwässern mit PFAS und weiteren Schadstoffen sowie deren Auswirkungen auf das Grundwasser.

Zwei Personen in Warnwesten an einem Teich in der Nähe von Gleisanlagen.

An zwölf Standorten für Bahnabwässer und in vier Testgebieten für Grundwasser werden Proben genommen und analysiert, um Wissenslücken zu schliessen und um eine Grundlage für eine Aktualisierung der Richtlinie «Entwässerung von Eisenbahnanlagen» zu schaffen. Die Untersuchungen decken nicht nur PFAS, sondern auch Schwermetalle, organische Parameter und Pestizide ab. Eine besondere Herausforderung ist die Abhängigkeit von Regenereignissen, die eine flexible Probenahme erfordert.

Erste Erkenntnisse zeigen, dass zwar PFAS im Gleis- und Tunnelabwasser nahezu überall in Spuren nachweisbar sind, problematische Werte jedoch die Ausnahme bilden. Im Grundwasser konnte bisher kein Einfluss des Bahnbetriebs auf die Grundwasserqualität nachgewiesen werden. Die Ergebnisse bilden eine zentrale Grundlage für zukünftige Massnahmen wie Stoff- und Produktverbote oder den Einsatz von Behandlungsanlagen. Damit trägt das bis Ende 2028 dauernde Projekt zur Optimierung der Gleisentwässerung, zur Vermeidung von Umweltbelastungen und zur Reduktion rechtlicher Risiken für Bahninfrastrukturbetreiber bei.

Ibrahim Ismail, Fachexperte Gewässerschutz, SBB Infrastruktur

E-Busse und Ladeinfrastruktur richtig bestellen

Die Umstellung auf elektrische Busse fordert Transportunternehmen in der ganzen Schweiz heraus. Um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen, wurden Workshops durchgeführt.

Teilnehmer des Workshops, die um einen Tisch sitzen und auf einen Bildschirm blicken.

Die Workshopreihe «E-Busse und Ladeinfrastruktur richtig bestellen» umfasste vier Veranstaltungen im Jahr 2025 in St. Gallen, Liestal, Lausanne und Lugano, jeweils in Kooperation mit den Standortkantonen.

Ziel der Workshops war es, diverse Transportunternehmen aus den umliegenden Regionen, die Kantone, den Verband öffentlicher Verkehr sowie das Bundesamt für Verkehr zusammenzubringen. Im Fokus standen der Austausch zu Best Practices und die Förderung der Zusammenarbeit über Kantonsgrenzen hinweg. Im Vordergrund standen die Finanzierung, die Lebensdauer der Batterie, der Transformationsprozess und die Interoperabilität zwischen den immer komplexer werdenden Systemen Bus und Ladeinfrastruktur. Die Diskussionen zeigten, dass die Motivation für die Umstellung innerhalb der Transportunternehmen gross ist, die Berücksichtigung all dieser Faktoren aber herausfordernd ist.

Positiv hervorzuheben ist hierbei die starke Hilfsbereitschaft innerhalb der Branche. Durch die Vernetzung können Synergien genutzt und Kooperationen zwischen Transportunternehmen verschiedener Kantone gestärkt werden.

Daniel Andersen, Projektleiter Energie & Mobilität, EBP Schweiz AG

Weitere Informationen

Koordinationsstelle neue Antriebsarten Bus - VöV

ESöV-Schlussbericht - Aramis

Workshopserie: Elektrobusse richtig bestellen - EBP Schweiz AG

Elektrische Baumaschinen auf öV-Baustellen

Die Elektrifizierung von Baumaschinen bringt viele Vorteile mit sich: Neben stark reduzierten CO2-Emissionen sind sie durch weniger Lärm auch besser für die Gesundheit von Mitarbeitenden und Anwohnenden.

Elektrischer Bagger hebt auf einer Baustelle eine Stahlarmierung, gesteuert von einer Person in Sicherheitskleidung.

Auf Schweizer Strassen sind Elektrofahrzeuge etabliert, auf Baustellen dagegen selten. In einem Pilotprojekt werden bereits zugelassene elektrische Baumaschinen auf Baustellen der SBB erprobt. Quantitative Daten (unter anderem zu Ladezustand und Leistung) und qualitative Beobachtungen zu Bedienung und Einsatz werden systematisch gesammelt. Im Jahr 2025 kamen zwei Geräte zum Einsatz: ein elektrischer Radlader in Kloten und ein elektrischer Raupenbagger mit einem Einsatzgewicht von 23 Tonnen am Bahnhof Lausanne. Während beide Geräte aus technischer Sicht einwandfrei funktionierten und von den Maschinisten durchweg positiv bewertet wurden, zeigte sich, dass die Umstellung mehr als nur ein Geräteaustausch ist: Der Einsatz elektrischer Geräte erfordert eine neue Energieplanung und neue Abläufe. Das Laden über Nacht gehört noch nicht zur Routine, und ein optimiertes Lademanagement fehlt bisher. Mit einer gezielten Einführung und angepassten Prozessen sind elektrische Baumaschinen aber praxistauglich und bringen deutliche Vorteile für Mensch und Umwelt.

Sarah Weber, Leiterin Umwelt und Nachhaltigkeit Infrastruktur, SBB Infrastruktur / Jonathan Hacker, Stv. Leiter Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit Ausbau-und Erneuerungsprojekte, SBB Infrastruktur / Philipp Haudenschild, Fachspezialist alternative Antriebe, SBB Infrastruktur Profilbil

Energiekennzahlen öV 2024

Mit der Veröffentlichung der Zahlen für 2024 lässt sich die Entwicklung des Energieverbrauchs des öffentlichen Verkehrs analysieren. Dabei ist eine leichte Abnahme festzustellen. Die Treibhausgasemissionen hingegen steigen hingegen kontinuierlich.

Ein gestapeltes Balkendiagramm, das die Entwicklung des Energieverbrauchs im öffentlichen Verkehr in der Schweiz zwischen 2020 und 2024 nach Verkehrsträgern aufgeschlüsselt darstellt. Eine überlagerte Kurve zeigt die Zunahme der Verkehrsleistungen im gleichen Zeitraum in Millionen Personenkilometern.

Der öffentliche Personenverkehr (öPV) verbrauchte im Jahr 2024 12'828 TJ Energie, was etwa 5 % des Energieverbrauchs des gesamten Verkehrssektors entspricht. Der öPV ist zu 61 % elektrifiziert, während der verbleibende Anteil überwiegend noch mit Diesel betrieben wird (37 %). Biokraftstoffe (Biodiesel oder Biogas) spielen mit einem Anteil von weniger als 1 % weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.

Im Vergleich zu 2022 entspricht dieser Energieverbrauch einem Rückgang um 3 %. Die Zahl der Personenkilometer stieg parallel dazu um 17 %. Im Zeitraum von 2020 bis 2022 war ein Anstieg des Energieverbrauchs (+11 %) und ein noch deutlich stärkerer Anstieg der Personenkilometer (+41 %) zu verzeichnen, was grösstenteils auf die Erholung nach der Corona-Pandemie zurückzuführen ist.

Von 2020 bis 2024 sind die Treibhausgasemissionen im Personenverkehr im öV stetig angestiegen, von 0.394 Mio. Tonnen im Jahr 2020 auf 0.432 Mio. Tonnen im Jahr 2024 (+10 %).

Weitere Informationen

Energiekennzahlen öV

Neue Richtlinie Forschung im Bereich Bahninfrastruktur

Ab 1. Januar 2026 ist die überarbeitete Richtline Forschung im Bereich der Bahninfrastruktur in Kraft getreten. Die Richtlinie regelt die Voraussetzungen und den Prozess, wie das BAV Finanzhilfen (Subventionen) für die Umsetzung von Forschungsprojekten im Bereich der Bahninfrastruktur gewährt.

In der Vergangenheit teilten sich das Förderprogramm ESöV 2050 und Forschung Bahninfrastruktur die «Vollzugsbestimmungen-bif-esoev». Aufgrund der Änderungen im EnG, wurde eine Überarbeitung erforderlich und eine Trennung der Inhalte auf zwei separate Dokumente nötig.

Diese Gelegenheit wurde genutzt, um die Richtlinien für Forschung Bahninfrastruktur grundlegend zu überarbeiten. Das Dokument ist auf der Webseite des BAV abrufbar unter:

Bahninfrastrukturforschung - unter Rechtsgrundlagen.

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