Elemente der NEAT

Die NEAT (Neue Eisenbahn-Alpentransversale) besteht aus drei Basistunnels und deren Zufahrtsstrecken. Diese queren die Alpen auf der Höhe des schweizerischen Mittellandes. Sie haben die Bergstrecken, die beträchtliche Höhenunterschiede aufweisen, als Hauptverkehrsachsen abgelöst.

Auf der Schweizerkarte sind auf den Achsen zwischen Basel und Brig bzw. dem Tessin die drei Basistunnel Lötschberg, Gotthard und Ceneri eingezeichnet.
Die NEAT besteht aus zwei Nord-Süd-Achsen: Die eine führt durch den Lötschberg, die andere durch den Gotthard.
© BAV

Lötschberg-Basistunnel

Der Lötschberg-Basistunnel ist 34 Kilometer lang und seit 2007 in Betrieb. Er führt vom Berner Oberland ins Wallis. Von dort führt die Strecke weiter durch den Simplon-Tunnel nach Norditalien. Der Bau dauerte acht Jahre, die Kosten beliefen sich auf rund 5,3 Milliarden Franken (heutige Kosten inkl. Zinsen und Mehrwertsteuer).

Der Lötschberg-Basistunnel wurde auf dem grössten Teil der Strecke – zwischen Ferden und Mitholz – zweiröhrig ausgebrochen. Um Kosten zu sparen, wurde der Tunnel aber vorerst nur auf einem Drittel der Strecke zweispurig fertig ausgebaut. Der Rest der ausgebrochenen zweiten Röhre dient als Rettungsstollen. 2019 hat das Parlament im Rahmen des Eisenbahn-Ausbauschritts 2035 beschlossen, auch den ausgebrochenen Teil der zweiten Röhre vollständig auszurüsten. Die Kosten hierfür betragen rund 0,9 Milliarden Franken. Der Lötschberg-Basistunnel hat die Reisezeiten zwischen wichtigen Destinationen in der Deutschschweiz und Zielen im Wallis und in Norditalien um bis zu eine Stunde verkürzt. Personenzüge verkehren im Stunden- und zu Spitzenzeiten im Halbstundentakt durch den Lötschberg-Basistunnel. Auch für den Güterverkehr ist er sehr wichtig: Pro Tag können bis zu 110 Güterzüge durch den Lötschberg-Basistunnel fahren.

Gotthard-Basistunnel

Der Gotthard-Basistunnel hat mit 57 Kilometern den Seikan-Tunnel in Japan (53,8 Kilometer Länge) als längsten Eisenbahntunnel der Welt abgelöst. Er ist mit bis zu 2300 Metern Felsüberdeckung auch der am tiefsten unter den Bergen liegende Tunnel der Welt. Der Gotthard-Basistunnel besteht aus zwei vollausgebauten, separaten Röhren und verkürzt gegenüber der Berglinie die Strecke zwischen den Kantonen Uri und Tessin um rund 30 Kilometer. Der Gotthard-Basistunnel ist seit Dezember 2016 in Betrieb. Pro Tag können ihn bis zu 260 Güterzüge nützen. Im Personenverkehr wird schrittweise der Halbstundentakt eingeführt. Die Kosten für den Gotthard-Basistunnel belaufen sich auf 12,2 Milliarden Franken (heutige Kosten inkl. Zinsen und Mehrwertsteuer). Die grosse Bedeutung des Gotthard-Basistunnels zeigte sich anlässlich der feierlichen Eröffnung am 1. Juni 2016, an welcher die Staats- bzw. Regierungschefs aller Nachbarländer, die EU-Verkehrskommissarin und der Gesamtbundesrat vertreten waren.

Ceneri-Basistunnel

Der 15,4 Kilometer lange Ceneri-Basistunnel im Tessin vervollständigt die Gotthard-Achse. Er kostete 3,6 Mil­liarden Franken (heutige Kosten inkl. Zinsen und Mehrwertsteuer) und wurde Ende 2020 in Betrieb genommen. Der Ceneri-Basistunnel besteht ebenfalls aus zwei vollausgebauten, separaten Röhren. Mit den Basistunnels durch Gotthard und Ceneri wird sich die Fahrzeit von Zürich nach Lugano um bis zu 45 Minuten verkürzen. Die Reise nach Mailand wird dank der NEAT mittelfristig rund eine Stunde schneller. Der Ceneri-Basistunnel macht zudem das regionale Bahn­netz im Tessin durch massiv kürzere Reisezeiten und bessere Ver­bindungen wesentlich attraktiver.

Ausbau der Zufahrtsstrecken

Um auch die Zufahrten zu den Basistunneln an die steigenden Anforderungen anzupassen, investiert die Schweiz weitere rund 1,7 Milliarden Franken (heutige Preise, inkl. Zinsen und Mehrwertsteuer) – primär in neue Signalanlagen, welche es erlauben, Züge rascher nacheinander fahren zu lassen.

Die Schweiz hat mit Deutschland (1996) und Italien (1999) in Staatsverträgen vereinbart, dass die Zulaufstrecken auch im angrenzenden Ausland ausgebaut werden. Es wurde beschlossen, dass die deutsche Rheintalstrecke und die verschiedenen italienischen Zulaufstrecken "Schritt haltend mit der Verkehrsnachfrage" für die NEAT ausgebaut werden. Diese Arbeiten sind im Gang und werden regelmässig in bilateralen Ausschüssen überprüft.

Zudem werden im Inland und in Norditalien verschiedene Hindernisse beseitigt, damit höhere und längere Züge verkehren können. Während die Basistunnel und die Lötschberg-Basislinie bereits für den Bahnverlad von Sattelaufliegern mit 4 Metern Eckhöhe konzipiert sind, war dies auf den Zulaufstrecken der Gotthardachse nicht möglich. Der Bund hat deshalb 2014 die Anpassung von verschiedenen Tunnel, Perrondächern und Fahrleitungen in Auftrag gegeben. Damit wird bis Ende 2020 der durchgehende Transport von Containern und Sattelaufliegern mit 4 Metern Eckhöhe auf der schweizerischen Nord-Süd-Achse möglich. Dies ist wichtig, weil Transporte mit 4 Metern Eckhöhe im kombinierten Verkehr ein stark wachsendes Segment darstellen. Die Schweiz finanziert auch entsprechende Profilanpassungen auf der italienischen Luino-Linie, damit wichtige Umladeterminals für 4-Meter-Transporte erreichbar sind. 

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