Die überarbeitete BAV-Strategie: Technologische Entwicklung neu im Fokus

Das BAV hat seine Strategie aktualisiert. Neu aufgenommen wurden die Folgen der technologischen Entwicklung, die Ausrichtung auf verkehrsträgerübergreifende Mobilität sowie elektronische Prozesse. Bei der Frage des Wettbewerbs sieht die BAV-Strategie in den kommenden Jahren wenig Spielraum für Änderungen an der Marktordnung.

Bild Strategie
Die BAV-Strategie wurde 2014 erarbeitet und 2019 aktualisiert.
© BAV

Der öffentliche Verkehr ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte. Die letzten Jahre haben wesentliche Verbesserungen gebracht. Das Angebot wurde massgeblich ausgebaut und wird genutzt. Verkehrsinformationen können in Echtzeit abgefragt und Tickets elektronisch gebucht werden. Fernbusse sind in das Bewusstsein der Bevölkerung getreten und die Digitalisierung verspricht uns eine durchgängige Mobilitätswelt sowie neue technische Anwendungen in der Steuerung und Überwachung des Bahnsystems.

Als das BAV 2014 zum ersten Mal eine Strategie veröffentlichte, standen drei Herausforderungen im Zentrum:

  • Bei der Infrastruktur ist die Finanzierung von Substanzerhalt und Ausbau zu sichern und die Planung des Netzausbaus neu zu gestalten.
  • Im Personenverkehr sind die Finanzierung des bestellten Regionalverkehrs zu sichern, das Bestellsystem zu überprüfen und Fragen zum Wettbewerb zu klären.
  • Der Güterverkehr ist eigenwirtschaftlich zu gestalten.

In wesentlichen Bereichen konnten Fortschritte erzielt werden. Die gesetzliche Grundlage für die Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur wurde vom Volk angenommen. Der Schienengüterverkehr wird über Innovationen und Anschubfinanzierungen gezielt gefördert und kann aufgrund von gesicherten Trassen planen. Die Finanzierung des Regionalverkehrs wurde auf Bundesebene mit einem vierjährigen Verpflichtungskredit gesichert. Noch offen ist der Entscheid bezüglich einer Reform des Regionalverkehrs. Wenig Akzeptanz fanden Ideen zu mehr Wettbewerb im öV.

Attraktiver, langfristig finanzierter und effizienter öV

An Dynamik gewonnen hat die technologische Entwicklung, welche den Kunden und Unternehmen Chancen eröffnen, aber auch gewachsene Strukturen gefährdet. Aus diesen Gründen hat das BAV seine Strategie aktualisiert. Vieles bleibt gleich. Der öV soll weiterhin attraktiv für die Kundinnen und Kunden sein, langfristig finanziert, effizient für Bevölkerung, Wirtschaft und Staat sowie umweltfreundlich, sicher und verlässlich im Betrieb. Die Abstimmung mit der Raumentwicklung und anderen Verkehrsträgern muss vertieft und gelebt werden. Die Planungsprozesse in der Infrastruktur haben sich gut etabliert und sollen unter Einbezug der Kantone, Transportunternehmen und der Güterverkehrsbranche weitergeführt werden. Der Schienengüterverkehr bleibt auf dem Weg in eine eigenwirtschaftliche Existenz. Das BAV will als Kompetenzzentrum für den öV die Verfahren in seiner Zuständigkeit effizient und verlässlich abwickeln und sukzessive vereinfachen.

Neu im Fokus der Strategie BAV sind vor allem die Folgen der technologischen Entwicklungen, die Ausrichtung auf multimodale Mobilität sowie elektronische Prozesse von Anfang bis zum Ende. Der Kunde erwartet Mobilitätslösungen, die über das Angebot im öV hinausgehen. Dazu müssen der Staat und die Unternehmen die nötigen Informationen unter Wahrung des Datenschutzes zu Verfügung stellen. Geschlossene Systeme sind zu öffnen und Strukturen anzupassen, damit integrierte Mobilitätsangebote entstehen können. Der öV soll aktiv als wesentliches Element der Gesamtmobilität positioniert werden. Im Kontakt mit dem BAV erwarten die Kunden digitale, medienbruchfreie Prozesse. Dazu wurden neue Massnahmen in der Strategie BAV festgelegt.

Effizienter Einsatz von Subventionen bleibt zentral

Bei der Frage des Wettbewerbs im öV trägt die Strategie BAV den Diskussionen und Entscheiden des Parlaments Rechnung und sieht in den kommenden Jahren wenig Spielraum für Änderungen an der Marktordnung. Als Folge der insgesamt geringen Wettbewerbsintensität wird der effektive und effiziente Einsatz von Subventionen weiterhin im Zentrum der Tätigkeit des BAV stehen.

Mit der Aktualisierung der Strategie will das BAV weiterhin eine gestaltende Rolle in der Mobilität spielen. Unverändert ist, dass die Entscheidhoheit in allen Bereichen bei der Politik bleibt.

In diesem Sinne ist die Strategie des BAV eine Einladung, die Zukunft der Mobilität konstruktiv mitzugestalten.

 

BAV-News Nr. 71 Juli 2019

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