Fernverkehr und Erneuerung der Fernverkehrskonzession

Fernverkehr-Zugbegleiter auf Perron

Die schnellen Bahnlinien zwischen den mittleren und grossen Zentren, welche in der Regel mit Intercity- und Interregio-Zügen bedient werden, bilden das Fernverkehrsnetz. Mit der Erneuerung der Fernverkehrskonzession per Ende 2019 wird erneut die SBB die meisten Fernverkehrsstrecken bedienen. Die BLS soll die Konzession für zwei Linien erhalten, zudem fährt die SOB zwei Linien im Auftrag der SBB. In einer Wegleitung hat das BAV einen längerfristigen Zielzustand für den Fernverkehr festgelegt.

Der Bund verfügt über das Personenbeförderungsregal, d. h. das ausschliessliche Recht, Reisende gewerbsmässig regelmässig zu transportieren. Dieses kann er mit Konzessionen an geeignete Unternehmen abtreten. Im Hinblick auf die Erneuerung der Fernverkehrskonzession haben neben der bisherigen Betreiberin SBB auch SOB und BLS Interesse am Betrieb von Fernverkehrslinien angemeldet. Das BAV hat entschieden, dass der überwiegende Teil des Fernverkehrsnetzes ab Ende 2019 erneut von der SBB betrieben wird. Die BLS soll die Konzession für die Linien Bern–Biel und Bern–Burgdorf–Olten erhalten. Die SOB wird ab Ende 2020 die Linien über die Gotthard-Bergstrecke sowie von Chur über Zürich nach Bern im Auftrag und unter Konzession der SBB fahren.

Der Fernverkehr muss eigenwirtschaftlich betrieben werden. In den letzten Jahren konnten mit dem Betrieb des Fernverkehrs Gewinne in tiefer dreistelliger Millionenhöhe erzielt werden. Mit der Erneuerung der Konzession legt das BAV den Deckungsbeitrag im Trassenpreis fest. Dabei geht es von einer den Bahnen zugestandenen Spannweite des Netto-Gewinns im Fernverkehr aus (max. 8 Prozent Umsatzrendite). Ist die Umsatzrendite höher, wird für den Fernverkehr der Deckungsbeitrag im Trassenpreis entsprechend angepasst, d. h. die Fernverkehrszüge leisten dann einen höheren Beitrag an die Fixkosten der Bahninfrastruktur.

Alternativ können die Bahnen mit individuellen Massnahmen (z. B. Sparbillette) die Tarife im Fernverkehr senken.

Wegleitung Fernverkehr

Im Hinblick auf die Erneuerung der Fernverkehrskonzession hat das BAV 2016 eine Wegleitung "Grundsätze für den Fernverkehr" erarbeitet. Mit dieser Wegleitung wird das Fernverkehrsnetz erstmals definiert auf der Basis von Kriterien, die aus dem Raumkonzept Schweiz abgeleitet sind. Rückgrat des Fernverkehrsnetzes ist das Basis-Netz, welches die Feinerschliessung des Landes mittels Fernverkehr sicherstellt: Es erschliesst alle Handlungsräume und bindet die gross- und mittelstädtischen Zentren, die einwohnerstarken Agglomerationen und die nationalen Flughäfen an die metropolitanen Zentren an. Dazu kommt das Intercity-Netz (IC-Netz), das die metropolitanen Zentren verbindet und die Anbindung an die europäischen Hauptverkehrsachsen sicherstellt. Mit abgestuften Vorgaben für das Basisnetz und das Intercity-Netz soll der heutige Qualitätsstandard gesichert und gezielt ausgebaut werden.

Gegenüber dem bisherigen, historisch gewachsenen Fernverkehrsnetz ergeben sich durch die systematische Definition einige kleine Änderungen: Die Verbindungen Bern–Neuenburg–La Chaux-de-Fonds sowie Chur–St. Gallen– Wil (Rheintalexpress) werden ins Fernverkehrsnetz aufgenommen. Derweil werden die Angebote auf der Strecke La Chaux-de-Fonds–Sonceboz-Sombeval–Biel dem Regionalverkehr zugeschieden.

Bei der Wegleitung handelt es sich um eine BAV-interne Handlungsorientierung, welche einen längerfristigen Zielzustand darstellt. Die konkreten Entscheide zur Ausgestaltung des Fernverkehrsnetzes werden über die Konzessionen und die Entscheide von Bundesrat und Parlament zum Ausbau des Eisenbahnnetzes im Rahmen der Bahn-Ausbauschritte gefällt.

Weiterführende Informationen

https://www.bav.admin.ch/content/bav/de/home/das-bav/aufgaben-des-amtes/finanzierung/finanzierung-verkehr/personenverkehr/fernverkehr-fv.html